• Sonja Stirnimann

Gegenwart und Zukunft: Territorium Cyberspace

Aktualisiert: März 13

Die ersten Schritte Richtung dem Territorium, welches wir Cyberspace nennen bildeten die Theorien und Erkenntnisse von Lewis Mumford aus dem Jahre 1934. Der amerikanische Soziologe beschäftigte sich eingehend mit der Thematik «Technik und Zivilisation». Mumford demonstrierte einleuchtend, dass weniger die Technik die historischen Pfade beeinflusst, als die mentalen Entwicklungen der Menschheit. Der Faktor Mensch ist gefragt. Damals wie heute. Technik hin oder her.


Kultur beeinflusst Geschichtsschreibung


Mit anderen Worten: Die Kultur beeinflusst die Geschichtsschreibung. Es sind weniger die technologischen Erfindungen als die geistigen Verfassungen, in welchen sich die Gesellschaft zu dem Zeitpunkt befindet und die festlegt, welche Technologien weiterentwickelt und implementiert werden.


Basierend auf dieser soziologischen Analyse ist es nicht verwunderlich, dass das Internet zu einem Zeitpunkt Anklang fand, als es auf der Erde nicht mehr viele weitere Territorien zu erschließen gab. Die Mondlandung – eines der größten Ziele – war geglückt und die Tatsache, dass nur eine Minderheit der Bevölkerung die Erde bereist, erforscht oder anderweitig eingehend erkundet, spielt bei dieser Bewegung hin zum Internet eine sehr untergeordnete Rolle.


Dank Mangel an Perspektiven zum Pioniergeist


Fakt ist der wahrgenommene Mangel an Perspektiven zur weiteren Erforschung. Das sogenannte Cyberspace ist das Resultat des wahrgenommenen Verlustes an Entdeckungsmöglichkeiten. Die Menschheit fand sich eingesperrt in der Enge des Alltages.

Somit ist Cyberspace die Antwort auf die Einschränkungen des Pioniergeistes. Es geht in dem Sinne auch nicht darum, dass die Menschheit die neuen Technologien der Ingenieure nutzen, weil diese entwickelt wurden, sondern, dass diese Technologien entwickelt wurden, weil sie genutzt werden wollen.


Mit dieser wahrgenommenen Einschränkung und dem Bedürfnis nach weiteren zu erforschenden Territorien erschließen sich eine Vielzahl neuer Herausforderungen. Einige davon wie Online-Fraud, Cyber-Angriffe & Co. wurden in verschiedenen Artikeln bereits beleuchtet, andere folgen.


Daraus ableitend geht hervor, dass die Menschheit nicht nur fähig ist, neue Technologien einzuführen, sondern diese auch zu steuern, zu lenken und bei Bedarf deren Richtung zu ändern.


Die ursprünglichen Ziele des Cyberspace waren die Möglichkeiten zur Entwicklung und zu neuen Entdeckungen. Was sich jedoch in jüngster Zeit abspielt rund um Thematik Cyber-Attacken, Digitalisierung, Datenverluste, etc., blieb Mumford (Verstorben 1990) erspart.

Fazit: Es macht wenig Sinn, Technologien zu verbessern, wenn die intellektuellen Fähigkeiten der Menschheit nicht entsprechend entwickelt sind. Dass diese Intelligenz auch in negativer Hinsicht Richtung Kriminalität genutzt wird, ist gegeben.


Potentiale identifizieren und nutzen


Wo identifizieren wir heute das Potential rund um das Territorium „Cyber“? Können wir es erkennen oder lassen wir uns unnötig einschüchtern, weil das Tempo schnell und die Unsicherheit gross ist?


Für alle, welche sich nun in der Opferrolle neuer Technologien sehen, kann entschärfend in Aussicht gestellt werden: Die Menschheit ist nicht dem Schicksal dieser Technologien verfallen, sondern eingeladen, das Potential im Sinne der ursprünglichen Ziele zu nutzen.


Grundbedürfnis Sicherheit


Wenn Menschen zusammenleben, müssen sie sich nicht nur vor den vier Elementen sowie dem Tierreich schützen, sondern auch – und im Speziellen – vor ihren Mitmenschen. Ob dies nun bei einer Expedition in der Antarktis ist oder Cyberspace: Das Grundbedürfnis nach Sicherheit ist dasselbe. Die Gefahren des Cyberspaces finden ihren Ursprung ebenso beim Menschen wie die Gefahren in der realen Welt. Die Sicherheit ist weniger ein technologisches oder physisches Problem, sondern ein sozialwissenschaftliches. Dazu gehört die Soziologie, Psychologie, Kriminologie und ergänzend auch die Rechtswissenschaft. Die Technologie spielt hierbei eine untergeordnete Rolle.


Minimierung von Gefahren im Cyberspace


Zentral für die Sicherheit und somit die Minimierung von Gefahren im Cyberspace ist das Verhalten der Individuen. Es lohnt sich entsprechend, sie dahingehend zu motivieren und zu unterstützen, ihre intellektuellen Fähigkeiten zum Nutzen aller und nicht zum Schaden anderer einzusetzen. Dieses Wissen kann das eigene Unternehmen genauso effektiv schützen wie dasjenige anderer.

„Am Anfang muss die Fragestellung stehen, wie das menschliche Verhalten hin zu mehr Sicherheit beeinflusst werden kann. Nicht nur im Cyberspace, sondern überall.“

Rasante Entwicklungen im Territorium Cyberspace


Die Besonderheit im Cyberspace im Gegensatz zu anderen Bereichen ist, dass der Cyberspace verhältnismäßig wenig erforscht und in ständiger rasanter Entwicklung ist. Dieser Umstand erfordert hohe Agilität und den Einbezug unterschiedlicher Disziplinen, wenn es darum geht, die Risiken umfassend zu erfassen und die entsprechenden mitigierenden Maßnahmen abzuleiten.


In dem Sinne, lassen wir uns nicht einschüchtern sondern nutzen das Potential in dem wir mit den neuen Möglichkeiten den Cyberspace als zusätzliches Territorium nutzen.


Ihre

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