• Sonja Stirnimann

Sie wollen ans Eingemachte? Interviews und Big Data!

Aktualisiert: 5. Sept 2019

Richtige Interviews lassen Sie hinter die Fassaden schauen. Falsch geführte lassen den Befragten eine Fassade hochziehen, die Sie danach nicht mehr durchdringen können. Sie haben die Wahl.



Das Ziel von Interviews in der Sachverhaltsermittlung


Ich werde von meinen Kunden wie auch Teilnehmer an Seminaren und Workshops nicht selten gefragt, ob ich denn wirklich als notwendig erachte, «auch noch» Interviews durchzuführen bei einer Sachverhaltsermittlung.


Man hätte ja bereits physische und elektronische Daten gesichtet – sich entsprechend durch die «Big Data» gearbeitet durch einen professionellen eDiscovery Prozess, eine gute Hypothesenarbeit vorab geleistet und somit ein rundes Bild. Aha. Ein rundes Bild. Ohne Interviews durchgeführt zu haben. Für mich unvollständig. Ja, vielleicht sogar fahrlässig im einen oder anderen Fall von Untersuchung die mir spontan in den Sinn kommt.


Das alleinige Ziel eines Interviews bei der professionellen Sachverhaltsermittlung im Bereich Non-Compliance und Wirtschaftskriminalität ist die Informationsgewinnung.


Die Protokollierung lustloser Interviews


Enttäuscht, irritiert und sprachlos. So könnte ich es oft beschreiben, wenn ich gewisse Protokolle von geführten Interviews, welche Bestandteil professioneller Sachverhaltsermittlungen und Prüfungen sind, lese. Die Lustlosigkeit springt einem geradezu ins Gesicht.


Hey, da sitzt ein Mensch, der hat was zu sagen.

· Warum hörst du nicht hin?

· Warum überlegst du dir jetzt schon die nächste Frage, bevor du die Antwort der vorherigen gehört hast?

· Warum schreibst du, während dem dein Gegenüber spricht oder schweigt?


Ich könnte den Fragekatalog je nach vorliegendem Protokoll beliebig lang ergänzen. Fakt ist, dass der Mensch, der was zu sagen hat, nicht Bestandteil des Interviews zu sein schien. Und das ist fatal.


Die Informationsgewinnung entsprechend dünn. Die hochgezogene Mauer des Gegenübers hoch, dick undurchdringlich.


Das Geheimnis effektiver Informationsgewinnung


Noch immer hallt ein Satz in meinen Ohren – damals ausgesprochen von einem Sportlehrer: Dance With The One That Brought You. Und im Rahmen dieses Beitrages entdeckte ich, dass sogar die Sängerin Shania Twain sich dem Thema angenommen hat.


Genauso verhält es sich bei der Vorbereitung, Durchführung und Protokollierung von Interviews im investigativen Umfeld. Der Gesprächspartner ist klar. Als Interviewer haben wir es in der Hand, den Prozess zu führen. Egal ob Sie tanzen oder ein Interview führen. Einer übernimmt die Führung und im Rahmen des Interviewprozesses idealerweise nicht der Befragte. Führen, damit getanzt werden kann.


Ich höre den ersten Einwand bereits: «Ja, aber ich habe doch gelernt, dass ich mich vorbereiten muss und nun einen Fragekatalog vorbereitet, was mache ich denn nun damit?». Nichts. Sie erinnern sich an die «Spickzettel» die Sie jeweils sorgfältig vorbereitet haben auf eine Prüfung? Mit der Vorbereitung hatten Sie den Inhalt gelernt. Genauso verhält es sich mit den Interview-Fragebogen.


Damit will ich betonen, wie wichtig die professionelle und fundierte Vorbereitung auf ein Interview ist.


Mit der Vorbereitung entscheidet sich der Verlauf


Auch hier sehe ich in der Praxis oft eine verkehrte Welt. Die Vorbereitung auf ein Interview im Rahmen einer Sachverhaltsermittlung wird unterschätzt. Stellen Sie sicher, dass genügend Zeit eingeplant wird – oft auch über einen längeren Zeitraum hinweg – um die Basis für ein erfolgreiches Interview zu schaffen.


Neben der Sichtung und Analyse von fallbezogenen relevanten Daten im Vorfeld gilt es zu wissen, wer Ihnen gegenübersitzt. Die Person. Sie werden mit dieser Person danach durch das Interview tanzen, um Informationen zu gewinnen. Wenn Sie den Tanz nicht führen können, wird die Mauer hoch. Sehr hoch.


Interviews sind Chefsache


Nein, Sie schicken keinen Junior als Interviewer! Sie tun es selbst. Selbstverständlich schreiben Sie während dem Sie das Interview führen kein Protokoll. Das macht einer der Kollegen, die dem Interview beiwohnen. Dieser kennt auch die vorbereiteten Themen. Richtig. Sie gehen nicht allein in Interviews. Nie. Ansonsten ist es kein Interview, so wie ich es im Rahmen der professionellen Sachverhaltsermittlung erwarte, sondern ein Gespräch.

Fazit: Jeder Mensch will gehört und wahrgenommen werden! Geben Sie ihm die Chance in dem Sie hinhören, zuhören, beobachten und in voller Präsenz den Tanz führen.

In dem Sinne: Geniessen Sie die Königsdisziplin einer Sachverhaltsermittlung!


Ihre

Sonja Stirnimann


PS: Einfach mal wieder Lust die Interviewtechniken aufzufrischen und in professionellem Rahmen zu üben? Schreiben Sie mir. Im Rahmen des Corporate Integrity Circle werden ab 2020 wieder Interview-Workshops durchgeführt.



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