• Sonja Stirnimann

Zeitfresser oder wie Sie garantiert den Fokus verlieren

Aktualisiert: 31. Aug 2019

Ich wurde gefragt, ob ich meine Alltagsroutinen und Arbeitsroutinen kenne. Was mir spontan einfiel, mein Fokus morgens. Der erste Kaffee nach der morgendlichen Dusche zwischen 5.00 und 5.30 Uhr.


Das verlängerte Hirn in der Hand?

Manchmal könnte man es meinen. Beobachte ich mein Umfeld wird jede freie Minute genutzt, um seinem Handy irgendeine Frage zu stellen. Wetterprognose, was Bekannte x auf Social Media treibt, was die Konkurrenz neu anbietet und wer die Inbox befüllt.


Beobachte ich mich selbst, stelle ich fest, dass mich vor allem die Prüfung der «Inbox-Befüllung» wahnsinnig beschäftigt hält. Ohne, dass ich mir vorab bewusst überlege, ob es mich überhaupt interessiert. Schon ist der Finger auf dem Icon und das Programm offen.


Wenigen Minuten später war mir bewusst, dass es da noch ganz andere Routinen gibt, die einen sehr viel stärkeren Einfluss haben auf meine Produktivität. Nicht nur im positiven Sinne.


Verabschiedung der Resilienz - Verlust der Handlungsfähigkeit

Die ganze Aufmerksamkeit wandert in eine Richtung, die nicht bewusst entschieden wurde. Untersuchungen weisen auf die verheerenden Folgen dieser Unterbrüche kognitiv anspruchsvoller Prozesse hin. Und trotzdem tun wir es immer wieder. Wir lassen uns gerne stören.


Unsere Handlungsfähigkeit leidet mit jedem Unterbruch. Als Expertin für Non-Compliance, Wirtschafts- und Cyberkriminalität sehe ich tagtäglich, wie die Handlungsfähigkeit meiner Kunden verloren geht. Persönlichkeiten, die ansonsten nicht so schnell aus dem Konzept gebracht werden.


Das Risiko, Fehlentscheidungen zu treffen mangels Fokus steigt massiv. Die hochgepriesene Resilienz leidet. Denn, zu Beginn unseres Daseins hatten wir sie alle. Setzen sie jedoch fahrlässig tagtäglich aufs Spiel.

Fokus: Welche Generation übernimmt die Führerschaft?

Kann sein, dass nicht jede Generation gleichermassen betroffen ist. Grundsätzlich denke ich nicht in Generationen, sondern in Haltungen – dem sogenannten «Mind Set» - eine schöne deutsche Übersetzung, die so klar auf den Punkt bringt, was «Mind Set» umfasst kenne ich noch nicht.


Die Generation der Baby Boomer (60er Jahre) – geboren vor 1964 - haben erst in ihrem mittleren Erwerbsleben die geballte Ladung an Technologien und deren Einfluss erfahren. Sich nun auch noch unter Druck setzen zu lassen, weit entfernt. Der bewusste Umgang ist zwar nicht gelernt, doch besteht ein eher mittleres Risiko, sich zu stark ablenken zu lassen.


Anders sieht es bei der Generation X aus (70er Jahre). Mit dem Berufseinstieg waren die neuen technologischen Möglichkeiten auf dem Tapet. Gelernt von Kindesbeinen auf? Nein, weitgefehlt. Der erste Commodore 64 stand für Spiel im einen oder anderen Kinderzimmer. Aber es war noch nicht die Regel. Wir haben es uns angeeignet. Ohne irgendwelche Kurse. Learning by Doing. Viele dieser Generation – ich eingeschlossen – sind regelrecht mit unseren «Devices» auf «du und du». Die gehören zu uns – auch wenn wir sie erst später adoptiert haben. Eine Hassliebe?


Später als die Generationen Y und Z (ab 80er Jahre). Diese Generationen sind von Anfang an mit der neuen Technologie konfrontiert worden. Es ist natürlich. Vergleichbar mit dem Fernseher der Generation X und dem Telefon der Generation Baby Boomer. Ihr Umgang ist entspannt und souverän.


Ich höre bereits die Kommentare über meine masslose Vereinfachung. Ist mir bewusst und ich weiss nur zu gut, dass es den Typen je Generation gar nicht gibt. Die Sozialisierung dieser Generationen ist jedoch bezeichnend und hat Spuren hinterlassen. Mal mehr, mal weniger.


Adaptieren Sie schon oder versklaven Sie sich noch?


Nein, die «Inbox-Befüller» sind nicht schuld. Diese wollen schlicht und einfach auf Ihrer Prioritätenliste ein Stück nach oben rutschen. Legitim. Was tun Sie? Sie entscheiden über Ihre Prioritäten.

Wann wollen Sie Ihr gesamtes Produktivitätspotenzial nutzen? Als vorbereitende Gedanken: was sind Ihre Arbeits- und Alltagsroutinen?

Mit diesen Antworten überlegen Sie sich, welche einzige Sie optimieren wollen – zu Ihren Gunsten. Erholung trägt übrigens zur Handlungsfähigkeit und Resilienz bei.

In dem Sinne: Tun Sie es anders und dies in voller Überzeugung.


Ihre

Sonja Stirnimann

PS: Ich habe meine Antwort gefunden und mit der Umsetzung gestartet. Funktioniert wunderbar – auch wenn ich mich ab und zu daran erinnern muss, nachts um 2300 Uhr keine Mails mehr zu lesen.

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